Sollen Kinder Pflichten haben?

Ein Artikel über Hilfsbereitschaft und Pflichtbewusstsein bei Kindern.

Kinder wollen gerne mit ihren Eltern zusammenarbeiten und ihnen das geben, wonach sie verlangen.

Das verschafft ihnen ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit.

Jesper Juul

Worauf kommt es in der Gemeinschaft an?

Wir wollen uns wertvoll fühlen. Wertvoll für diejenigen, die wir lieben.

Bei Kindern kommt noch dazu, dass sie sich nichts sehnlicher wünschen, als so zu sein, wie wir Erwachsenen. Wir Eltern sind ihr großes Vorbild und sie ahmen uns nach, wo es nur geht.

 

Genau deshalb ist es so wichtig, Kindern die Möglichkeit zu geben, einen aktiven Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten. Sich daran zu erfreuen, auch wenn der Beitrag vielleicht einmal nicht so ganz nach unseren Vorstellungen ist. Sie zu ermutigen und ihnen zu vertrauen. Sie bemühen sich so sehr und es verschafft ihnen ein wahre Glückseligkeit, wenn wir unsere Freude zeigen und anerkennen, was sie tun. So lernen sie, sich selbst zu achten und entwickeln persönliche und soziale Verantwortung.

  

Aus freien Stücken einen Beitrag zu leisten hat dabei eine ganz andere Qualität, als den Beitrag aufgrund von Regeln und vereinbarten Pflichten zu erledigen.

Jesper Juul ist dazu sehr klar in seinem Buch über das kompetente Kind.

Hier zitiere ich aus den Seiten 178 und 179:

 

"Je stärker man versucht, Kindern soziale Verantwortung durch starre Normen und Werte einzuimpfen, desto mehr lässt ihr soziales Denken und Handeln später zu wünschen übrig.

Das Beispiel der Eltern - das gilt in fast allen Fällen - hinterlässt tiefere Spuren als die verbale Erziehung." 

Jesper Juul

 

Ich habe vor einiger Zeit von einer App gehört, die den Medienkonsum von Kindern steuern kann. Diese App kann wohl auch so eingestellt werden, dass Kinder sich Medienzeiten erarbeiten können. Sie sammeln Punkte beispielsweise fürs Spülmaschine ausräumen oder Staubsaugen. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Herangehensweise Kinder nicht dazu bewegt, gerne ihren Teil zur Gemeinschaft beizutragen und auch nicht dazu führt, einen gesunden Medienkonsum zu erlernen.

Wann beteiligen wir uns aus freien Stücken?

Es mag im ersten Moment durchaus gegensätzlich klingen. Doch wir kooperieren genau dann aus freien Stücken, wenn wir in unserer Familie spüren, dass es auch erlaubt ist, sich um sich zu kümmern.

Im Klartext heißt das: Wenn ich merke, dass ich mit meinen Bedürfnissen ernst genommen und gesehen werde und mich zurückziehen darf, wenn ich dringend Ruhe brauche oder Sport treiben darf, wenn ich mich gerade unbedingt einmal auspowern muss, dann sehe ich die Bedürfnisse der anderen Familienmitglieder ebenso und bin gerne bereit auch anderen diese Freiräume zu geben und meinen Beitrag zur Gemeinschaft zu leisten.

 

Aus freien Stücken zu agieren, bedeutet auch, dass wir nicht alles haarklein vorab besprechen und vereinbaren können. Vielmehr ist es ein gutes Gespür für die anderen Familienmitglieder, dass uns hilft zu schwingen, zu tanzen zwischen Integrität und Kooperation.

Für mich zu sorgen und für die Gemeinschaft da zu sein ist dabei in einem gesunden Gleichgewicht. 

 


Bei uns ist es inzwischen so, dass wir in unserer dreiköpfigen Familie ein gutes Gespür dafür entwickelt haben, wen gerade was beschäftigt und wer wieviel zu tun hat. Fast ohne Absprache, kocht mal der eine und mal der andere. Einer kocht alleine, weil der Rest noch arbeitet oder für sich sorgt oder wir kochen gemeinsam, weil es uns gerade so gut tut. Auch unser Sohn fängt schon mal mit den Essensvorbereitungen an, wenn er Hunger hat und sieht, dass mein Mann und ich gerade noch nicht so weit sind. Andersherum ist auch keiner böse, wenn er mal alleine die Küche aufräumt, denn morgen ist bestimmt wieder ein anderer bereit aus freien Stücken mit anzupacken.

Das passiert sicherlich nicht von heute auf morgen. Dieses gute Gespür für die Gemeinschaft entsteht in erster Linie, wenn man viel und offen über seine aktuellen Herausforderungen, Wünsche und Bedürfnisse spricht. So lernen wir einander, uns auch blind und ohne Worte, zu verstehen.

Meistens zumindest..


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Was sagt die Wissenschaft?

Bei all den Überlegungen über Verantwortung und Unterstützung im Alltag, sollten wir nicht vergessen, dass es für Kinder bis zum 10. Lebensjahr das Wichtigste ist, zu spielen. Das kindliche Spiel ist entscheidend für die psychische, physische und soziale Entwicklung.

 

Hast Du Dich schon einmal gewundert, als Dein Kind zum Beispiel direkt einwilligte, jetzt einmal pro Woche sein Zimmer immer Donnerstag Nachmittag aufzuräumen und schon nach zwei Wochen nichts mehr passierte?

Für uns Erwachsene ist es nur schwer nachzuvollziehen, doch sogar Kinder von 9 bis 10 Jahren können noch gar nicht so weit in die Zukunft planen. Sie können noch nicht absehen, dass, wenn sie heute einer regelmäßigen Pflicht zustimmen, es auch in zwei bis drei Wochen noch so ist.

 

Bei kleineren Kindern ist es noch eindrucksvoller. Besprechen wir mit ihnen, dass wir sie in einer halben Stunde ins Bett bringen und sie stimmen bereitwillig zu, heißt das noch lange nicht, dass wir sie in einer halben Stunde ohne Probleme umziehen können. Erst wenn es soweit ist, realisieren die Kinder, was es für sie konkret bedeutet.

Wie erreiche ich die neue Qualität der Hilfsbereitschaft?

Sei mutig und starte ein Experiment:

Gebe Deinen Kindern bis zum 14. Lebensjahr keine Pflichten.

Du wirst im Laufe der Jahre durch eine Hilfsbereitschaft belohnt werden, die viel energischer und konstruktiver ist, als die Erfüllung verordneter Pflichten.

 

Schreib' mir in die Kommentare, wie Deine Erfahrungen damit sind! Ich freu mich, von Dir zu hören!

Deine Imke 

Imke Guzewski

Ich bin Imke und ich liebe den Ansatz von Jesper Juul.

Ich unterstütze Eltern und Fachleute auf ihrem Weg in eine gleichwürdige Haltung mit Kindern, ich vermittle Kommunikationstechniken, die Erwachsene und Kinder in Verbindung bringen und dafür sorgen, dass sich jeder in der Gemeinschaft angenommen fühlt, um mit mehr Leichtigkeit durch den Alltag zu gehen.



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