liebevolle elterliche Führung

Ein Artikel über die Begleitung unserer Kinder auf Augenhöhe.

Was meine ich mit liebevoller elterlicher Führung?

Über zehn Jahre habe ich in einem großen Konzern gearbeitet. Dort habe ich gesehen, wie unterschiedlich Führung gelebt wird. Ebenso ist es mit unseren Kindern. Ein Großteil der Eltern wird sagen, dass sie das Kind führen. Es wird sich ebenso stark unterscheiden, wie in vielen Unternehmen.

 

Wenn ich von liebevoller elterlicher Führung spreche, meine ich die Begleitung der Kinder auf Augenhöhe. Die Kinder mit ihrer Persönlichkeit zu sehen, zu begleiten und zu unterstützen.

Die Kinder brauchen einen Rahmen, um in Ruhe auszuprobieren:

 

Lass sie forschen und experimentieren. Steh mit Deiner Erfahrung gerne zur Seite, jedoch nur, wenn diese gewünscht ist.

Lass sie ihre eigenen Erfahrungen machen, ihre Erfolge feiern und Misserfolge bewerten lernen.  

Was sagt Jesper Juul über die Kompetenz der Kinder?

 

Kinder kommen mit großer Weisheit,

doch ohne Erfahrung auf die Welt.

Sie brauchen daher liebevolle Führung

durch Erwachsene.

 Jesper Juul

Was sagt die Forschung?

Inzwischen ist intensiv erforscht, dass Kinder kompetent und nicht als die unfähigen Wesen zur Welt kommen, wie es lange angenommen wurde.

 

Schon Säuglinge zeigen uns, beispielsweise indem sie den Kopf von der Brust oder der Flasche abwenden, dass sie satt sind.

Woran kann ich mich orientieren?

Um Kinder auf Augenhöhe zu Begleiten und die Familie liebevoll zu führen helfen mir drei Werte ganz besonders: Die Gleichwürdigkeit, die Integrität und die Verantwortung.


3 wertvolle Schritte in einen gleichwürdigen Familienalltag

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Gleichwürdigkeit

Gleichwürdigkeit ist ein von Jesper Juul entwickeltes Wort. Es bedeutet, dass Menschen die gleiche Würde besitzen, jedoch nicht unbedingt die gleichen Rechte. Und genau diese Differenzierung ist im Umgang mit Kindern so wichtig.

 

Für mich bedeutet Gleichwürdigkeit, die Menschen mit ihren Bedürfnissen, Werten und Wünschen wirklich zu sehen und diese ernst zu nehmen – so unerwartet, unerwünscht und unpassend sie in manchen Momenten auch erscheinen mögen.

 


Das bedeutet auch, dass Du wunderbare Überraschungen erleben wirst, wenn Du Interesse für die eigenartigen Aktionen Deines Kindes zeigst. Es bedeutet jedoch nicht, dass Du jedem Wunsch nachgibst, denn genau darin besteht Deine Führungsrolle. 

 

Und darin besteht auch eine riesige Gefahr. Denn hinter dem Wunsch Deines Kindes nach einem neuen Spielzeug, verbirgt sich eventuell ein viel tiefer liegendes Bedürfnis. Vielleicht braucht es Nähe oder sucht mehr Zugehörigkeit. Mit dem Kauf des Spielzeugs wird dieses Bedürfnis nicht gestillt.

 

Deine Aufgabe als Führungskraft, ist es also, das Verhalten Deines Kindes zu entschlüsseln und die Bedürfnisse dahinter zu entdecken.


Ein Beispiel

Mich hat erst kürzlich etwas bei meinem Sohn so sehr zum Nachdenken gebracht. Er würde sich am Liebsten täglich ein neues kleines Auto kaufen. Ich fragte mich, wie es zu diesem Wunsch kam: „Ahmt er seinen Vater nach, der CDs sammelt und häufig welche kauft? Hat er Spaß, sein Taschengeld zu zählen und ist stolz alleine einkaufen zu gehen und zu bezahlen?“ Sicherlich spielen auch diese Gründe eine Rolle. Dennoch ist der Wunsch nach ständig neuen Autos abgeflaut, seitdem ich wieder jeden Tag intensiv mit ihm Autos spiele. Das gibt ihm die Nähe und Zufriedenheit, die er im Augenblick braucht. 

Verantwortung

Verantwortung ist ein vielschichtiger Wert. Denken wir nur daran, wie unangenehm es manchmal ist, wenn wir uns für etwas verantwortlich fühlen, was wir gar nicht beeinflussen konnten.  

 

Es besagt jedoch auch unser verantwortungsvolles Handeln oder das Abgeben von Verantwortung. Das ist nicht immer wirklich leicht, denn die Ergebnisse weichen ja vielleicht von den eigenen Vorstellungen ab. Da gilt es ein gutes Gefühl dafür zu entwickeln, wann ich lenkend eingreifen muss (Gefahr in Verzug) und wann ich gelassen zusehe.

Denn Verantwortung zu übergeben, bedeutet auch, dass Dein Kind einmal mit Kleiderkombinationen los geht, die Dir so gar nicht behagen - gefährlich ist das meistens nicht.

 

Gerade jetzt, kurz nach der Einschulung meines Sohnes, beobachte ich, wie wertvoll es ist, dass er früh erleben durfte, Verantwortung zu tragen. Er sucht seine Kleider selber heraus und kam schnell auf den Trichter, dass der Wetterbericht ihm dabei hilft. Egal zu welcher Jahreszeit, entscheidet er selber, ob er Schuhe und Strümpfe zum Spielen auszieht und konnte durch seine eigenen Erfahrungen schnell lernen, wann ihm das unangenehm kalt oder nass ist.

Das erspart mir die zähen Machtkämpfe um Schuhe und Strümpfe im Frühling auf dem Spielplatz. Natürlich bringt es mir auch interessante Blicke anderer Mütter ein.

 

Jetzt in der Schule beobachte ich, dass er wirklich verantwortungsvoll mit all seinen Unterlagen umgeht und im Distanzunterricht recht eigenständig arbeitet. Versuchen wir unserem Kind jegliche Steine aus dem Weg zu räumen und bieten ungefragt Hilfestellung, wo es gar nicht (mehr) nötig ist, kann es sein, dass das Kind auch in Situationen, wo wir die Eigenverantwortung erwarten (Mathehausaufgaben rechtzeitig machen!) diese nicht ausführt. Das Kind ist es ja gewohnt, dass die Eltern unterstützen und die Verantwortung abnehmen, wenn es ungemütlich wird.

 

Als Eltern ist es wichtig, ein gutes Gespür zu entwickeln, wann das Kind welche Dinge alleine regeln kann. Und genau dann ist es Zeit, die Verantwortung abzugeben und sich entspannt zurückzulehnen. Merkt das Kind, dass es die Verantwortung wirklich alleine tragen darf und seine damit zusammenhängenden Entscheidungen, seien sie noch so eigenartig aus Sicht der Erwachsenen, fällt es dem Kind ebenso leicht, sich einmal beraten zu lassen. Und dann stehen wir Eltern natürlich gerne mit Rat und Tat zur Seite. 

Integrität

Integrität bedeutet, zu sich selbst JA zu sagen – und auch mal NEIN zu Wünschen anderer.

Dieser Wert beschreibt, wie wichtig es ist, gut für sich zu sorgen und ebenso den Blick auf die Integrität der anderen zu richten. Das ist Achtsamkeit, und das ist Respekt!

 

Meine Integrität zu spüren, meine Bedürfnisse aufzuspüren ist die wichtige Grundlage, um meine Grenzen aufzuzeigen. Persönlich geäußert sind diese Grenzen eines jeden Einzelnen das Herzstück für die Familienkultur.

 

Vielleicht denkst Du jetzt, dass das doch ein Haufen Egoisten sind, die dann da zusammen leben. Doch es geht nicht darum seinen Willen zu bekommen, sondern darum, sagen zu dürfen, was einem gerade wichtig ist, ohne dafür verurteilt zu werden. Jesper Juul sagt dazu, ohne „falsch“ gemacht zu werden. Jeder wird gesehen, gehört und ernst genommen, denn wo es erlaubt ist, gut für sich zu sorgen, ist jeder gerne bereit seinen Beitrag für die Gemeinschaft zu leisten.

 

Der Integrität steht die Kooperation gegenüber. Integrität ist „für mich sorgen“, Kooperation bedeutet „für die Gemeinschaft da sein“. Erst ein ausgewogenes Gleichgewicht bringt Dich ins Gleichgewicht, bringt Deine Partnerschaft ins Gleichgewicht und sorgt dafür, dass es Deinem Kind gut geht. Denn Zugehörigkeit und Autonomie sind Grundbedürfnisse der Menschen.

Imke Guzewski

Ich bin Imke und ich liebe den Ansatz von Jesper Juul.

Ich helfe Eltern und Fachleuten auf ihrem Weg in eine gleichwürdige Haltung mit Kindern, ich vermittle Kommunikationstechniken, die Erwachsene und Kinder in Verbindung bringen und dafür sorgen, dass sich jeder in der Gemeinschaft angenommen fühlt, um mit mehr Leichtigkeit durch den Alltag zu gehen.



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