Wie pflege ich eine gute Beziehung zum Kind?

Die meisten Kinder von heute lassen sich nicht mehr auf die Art führen, wie wir selber es als Kinder erlebt haben. Sie lassen sich nicht mehr durch Bestrafung, Belohnung oder emotionalen Druck manipulieren. 

Gut so, denn viele von uns Eltern wollen dieses Kapitel ebenso hinter sich lassen und neue Wege finden. 

 

Der Schlüssel ist eine so gute Beziehung zum Kind, dass wir in Verbindung durch Dick & Dünn gehen können. Denn die Beziehung trägt uns durch Konflikte so, dass es wenig Verletzungen und mehr Verständnis füreinander gibt.

 

Erfahre in diesem Artikel, was die Beziehung zum Kind stärkt und was die Beziehung stresst oder schwächt.

 

In vielen Beratungen erlebe ich, wie effektiv es ist, erst einmal die stressenden Interaktionen zu erkennen und zu minimieren. Denn sie überlagern oft in Intensität und Häufigkeit die stärkenden Interaktionen. Und dieses Ungleichgewicht ist insgesamt wirklich ungünstig, nicht nur für unsere Verbindung zum Kind sondern für die gesamte Familienatmosphäre. 

Inhaltsverzeichnis

4jähriges Mädchen von hinten steht zwischen seinen Eltern, die es beide an der Hand halten.

Was ist BEZIEHUNG?

Mein Bild von einer tragenden Beziehung

Beziehungen bestehen immer zwischen 2 Menschen. Ob es zwei Erwachsene, zwei Kinder oder ein Kind und ein Erwachsener sind, ist für dieses Bild egal.

Die Beziehung symbolisiert in meinem Bild das Seil.

Ist es schön fest, mit vielen dünneren Seilen, die ein festes Tau ergeben, so lassen sich auch schwere Pakete transportieren. Wir kommen verbunden auch durch Konflikte mit Enttäuschungen, Wut & Ohnmacht.

Ist es dünn und hat viele gerissene und angespannte Schnüre, trägt es heftigere Gefühle meist nicht mehr. Die Verbindung geht verloren, der Konflikt ist kaum 'vernünftig' zu meistern.

ein von Imke gezeichnetes Bild: 2 Berge, auf denen jeweisl ein Mensch steht. sie sind verbunden durch ein dickes Tau. Am Tau hängen Pakete wie Liebe, Wut, Freude, Enttäuschung.

Wie gebe ich Acht auf die Beziehung zum Kind?

Die Frage ist immer, ob mein Verhalten gerade verletzt oder 'nur' frustriert.

Um herauszufinden, was die Beziehung zu Deinem Kind eher stresst, frag Dich bei Deinen Interaktionen immer einmal: Fühlt sich mein Kind gerade 'richtig' mit sich und seiner Idee oder fühlt es sich 'falsch' - nicht gesehen, nicht wahrgenommen, nicht ernst genommen?

 

Genau hier liegt der feine Unterschied.

Fühlt sich mein Kind 'falsch', ist mein Verhalten verletzend und belastet die Beziehung zum Kind.

Fühlt sich mein Kind richtig, ist es höchstens frustriert, wenn es dann nicht bekommt, was es eigentlich gerade wollte.

 

Frustrieren tun wir, wenn etwas gerade anders ist als wir es gerne hätten. Wenn wir etwas entscheiden, was das Kind gerade nicht will. Zum Beispiel, wenn es so gerne alleine über die Straße gehen möchte und wir das nicht möchten.

Auch wir Erwachsenen kennen frustrierende Momente. Wenn ich zum Beispiel noch schnell ein dringendes Paket bei der Post abgeben will und dort angekommen sehe ich ein Schild, dass ausnahmsweise heute Nachmittag wegen Betriebsversammlung geschlossen ist.

Und unser Kind ist beispielsweise frustriert, wenn es so gerne alleine über die Straße gehen möchte und wir das nicht möchten.

Verletzen tun wir, wenn wir dem Kind signalisieren, dass es aus unserer Sicht unangemessen reagiert. Es doch verstehen muss, dass wir Recht haben; wir es ‚falsch‘ machen aufgrund seines Wunsches und/oder aufgrund seiner Reaktion. Menschen verletzt es, wenn sie erleben, dass ihre Gefühle oder Wünsche so nicht erlaubt sind, nicht da sein sollten.

 

In unserer familylab-Blase sprechen wir dann davon, dass wir uns falsch fühlen oder vom 'falsch machen'.

Und das passiert so leicht in Form von Mikroverletzungen.

 

Das schwächt Deine Beziehung zum Kind

Es gibt viele Dinge, die in unseren alltäglichen Interaktionen die Beziehung belasten. Das passiert durch unachtsame Wortwahl ebenso schnell wie durch Gesten oder Bewegungen. Ein Schnauben oder Augenrollen spricht manchmal Bände.

Auf Deinem Weg zu einer tragende Beziehung, versuch zunächst diese Dinge so wenig wie möglich zu machen.

Sie alle geben dem Kind das Gefühl, 'falsch' zu sein und das ist verletzend.

 

Mikroverletzungen

  1. Beschämung: "Du bist doch kein Baby mehr, halt doch mal still!" (Botschaft: Du bist unmöglich!)
  2. Moralisierung: "Ich bin extra mit Dir ins Freibad gegangen und ich finde jetzt kannst Du auch mal mitmachen!" (Botschaft: Du undankbares Kind!) 
  3. Besserwisserei/Belehrung: "Wenn Du nicht eingecremt bist, dann kriegst Du Sonnenbrand und das tut weh, und das..." (Botschaft: Versteh doch, dass ich Recht habe)
  4. Definieren:  "Nie willst Du nachmittags rausgehen, immer hockst Du nur in Deinem Zimmer!" (Botschaft: So bist Du!)
  5. Klein halten: Wenn wir unserem Kind nicht so viel zutrauen, wie es sich selbst zutrauen würde. Bei gefährlichen Situationen, die es noch nicht einschätzen kann, ist es wichtig, sich dafür zu interessieren, anstatt den Wunsch wegzuargumentieren. Es geht um persönliche Verantwortung. Mehr dazu findest Du in meinem Blog zu diesem >Jesper Juul - Wert.
  6. Belohnen: "Wenn Du jetzt endlich die Zähne putzt, kann ich Dir auch 2 Geschichten vorlesen." (Botschaft: Wenn Du machst was ich will, bekommst Du etwas, was Du sonst nicht bekommen hättest - Steuerung über Abhängigkeit)
  7. Bestrafen: "Wenn Du Dich jetzt nicht eincremen lässt, gehen wir nach Hause." (Botschaft: Wenn Du nicht tust, was ich will, dann tue ich etwas, was Du nicht willst - Steuerung über Angst)
  8. Loben: Lob ist bewertend und Bewertungen sind schnell definierend (s.o.) Damit fühlt sich das Kind leicht missverstanden, weil es lieber ob seiner selbst Willen gesehen wird anstatt bewertet zu werden. Mehr dazu findest Du in meinem Blog über das >Selbstwertgefühl
  9. Veräppeln/Auslachen: Ironie verstehen Kinder auch im Grundschulalter meist noch nicht.
  10. zu viele Argumente: Es ist wie ein Argumente-Regen, der die Botschaft enthält: "Versteh' doch, dass ich Recht habe und mach jetzt bitte kein Theater. Da hast Du überhaupt keinen Grund zu!"
  11. Gefühle nicht zulassen: "Tut nicht weh'!", "Nicht so schlimm!", "Kein Grund gleich so wütend zu werden!" Mehr dazu findest Du in meinem Blogartikel >'Nichts passiert'
  12. Rumrechten: „Dein Pech, wir haben Dich extra mit zum Supermarkt genommen, damit Du es Dir aussuchst. Wenn es jetzt nicht schmeckt ist es Dein Problem.“ Bitte! Immer wenn es in der Interaktion um Gewinnen oder Verlieren geht, sind wir im Machtkampf und der macht nur Verlierer.
  13. Körpersprache: Schnauben, Stöhnen, Augenrollen
  14. Über das Kind sprechen: Während das Kind in Hörweite ist, sich bei anderen Erwachsenen über das unerwünschte Verhalten des eigenen Kindes auslassen. Oder auch halb zum Kind gewandt so etwas sagen, wie: "Oder mein Kind? Hören ist gerade nicht so Deine Stärke, oder?" - ja ich weiß, das ist natürlich selbstverständlich, dass wir es nicht machen. Dennoch höre ich Dinge dieser Art leider noch oft :-(.

Reflexion zu verletzender Sprache

Dieses Wimmelbild der Bundes Jugendvertretung Österreich enthält typische Aussagen (in der Regel) von Erwachsenen an Kinder gerichtet, die viele von uns bestimmt schon gehört haben.

Sie alle verbindet, dass sie verletzend sind und wir mutwillig die Augenhöhe zum Kind verlassen.

 

Wenn Du magst, dann druck Dir das Dokument aus und markiere alle Sätze, die auch Du schon einmal zu Deinem Kind gesagt hast.

 

Keine Sorge, es ist völlig normal, dass uns diese Sätze herausrutschen.

Du glaubst gar nicht, wie bunt mein Reflexionsbogen war, als ich ihn während meiner Ausbildung bei familylab bearbeitet habe. Entscheidend ist ja, wie wir damit umgehen, wenn uns einer dieser Sätze herausrutscht.


Kinder brauchen Respekt!

Deine Aufgabe zu diesem Wimmelbild

1. Markiere mit einem Textmarker, welche Sätze Du selber schon einmal sagst.

2. Überlege Dir, wie ist es, wenn jemand diesen Satz zu Dir sagt.

3. Notiere Dir, was Du stattdessen sagen kannst. (dabei helfen Dir bestimmt die Ideen aus diesem Blogartikel weiter unten: 'Das stärkt die Beziehung zu Deinem Kind')

Download
Wimmelbild_Kinder brauchen Respekt!.pdf
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Das stärkt Deine Beziehung zum Kind

  1. Interesse: Zeig Interesse an Ideen, Wünschen und Bedürfnissen. Finde mit Deinem Kind Worte für Empfindungen: „Oh bist Du wütend, dass Deine Puppe vom Stuhl gerutscht ist?“ "Oh ja.. so ein Mist. Dein Pulli liegt noch in der Schule. Du wolltest ihn so gerne heute Abend anziehen, oder?"
  2. (gesunde) Neugierde: Schau mit Neugier durch die Augen Deines Kindes. Erforsche ihre Sicht auf die Dinge/die Welt. Welche unterschiedlichen Gefühle lösen unterschiedliche Situationen bei verschiedenen Menschen aus? Was ist die Begeisterung/ die Intention, etwas zu tun. So oft bewerten und urteilen wir vorschnell. Stell dir vor, Dein Kind nimmt Kekse aus der Süßigkeitenschublade. oft kommt viel zu schnell unser 'Nein'. Dabei wäre es doch total spannend zu erfahren, was das Kind gerade vorhat: Einen essen, Kekse an alle Stofftiere verteilen, den Kaffeetisch für die Familie decken, oder...oder...oder.
  3. Dialog: Dialoge sind im Unterschied zur Diskussion Gespräche ohne Ziel. Es sind Gespräche, die nicht darum gehen, wer recht hat, sondern (nur) sichtbar machen, wo jeder gerade steht. Dialoge sind gelebte Gleichwürdigkeit mit dem Vertrauen, dass die Beteiligten ihre eigenen Schlüsse aus den unterschiedlichen Aspekten ziehen. Im Alltag beflügeln auch leichte Plaudereien über Erlebnisse und Gedanken des Moments die Verbindung zueinander. Dies sind die verbindenden Momente, Anker im wuseligen Alltag, in denen wir zueinander finden können. Mit meinem Sohn geschieht es, wenn wir gemeinsam auf dem Weg sind. Ob im Auto, mit dem Bus oder zu Fuß.. meist kommen uns herrliche Themen und manchmal wird es fast etwas philosophisch.
  4. Einfühlung: Der Begriff 'Einfühlung' kommt aus der gewaltfreien Kommunikation (gfK) nach Marshall B. Rosenberg. Es geht darum, seinen Gegenüber wertfrei zu sehen, nicht zu loben, nicht zu tadeln. Es geht um wahrnehmen. Sieh‘ die Freude, die Wut, den Ärger und die Begabungen und Motivationen. Ich sag gerne: 'Fang auf', was Dein Kind Dir mitteilt und spiegel es. "Ah, Du magst einen Keks aus der Schublade nehmen?", Oh, das findest Du blöd, mmh? Du willst nicht dass ich da rüber gehe?" Das Kind mit seinem Tun und Seinen Wünschen wahrzunehmen bedeutet dabei nicht, dass Du all seinen Wünschen nachgeben sollst. Lies' dazu gerne meinen Artikel über >Grenzen. Die Einfühlung steht für mich immer am Anfang eines Konflikts. Egal, ob es um Süßigkeiten, Medienkonsum, das Zähneputzen oder die Kleiderwahl geht. Wie Du verbunden durch Konflikte gehst, beschreibe ich in 5 konkreten Schritten in >diesem Artikel.
  5. Lernprozesse ermöglichen: "Lasst Kinder etwas können dürfen", sagte Jesper Juul und spielt auf die Übernahme von persönlicher Verantwortung an. Verantwortung ist einer seiner 4 Werte für einen beziehungsorientierten Umgang mit Kindern. >Zum Blog über Verantwortung.
  6. ein wertvoller Teil der Gemeinschaft sein dürfen: Fehlt dieses Gefühl, spiegelt sich das oft in einer angespannten Familienkultur wider. Häufig sind die Kinder unruhig und zeigen ein aufbrausendes/ impulsives, manchmal körperliches Verhalten. Sich wichtig und gebraucht zu fühlen ist existentiell für uns Menschen, die Rudeltiere sind.

Um so mehr Kinder spüren, dass Gefühle aufgrund einer Frustration normal sind, um so besser fühlen sie sich.  Sie fühlen sich verstanden, gesehen und geliebt – sie fühlen sich ‚richtig‘, wie sie sind.

 

Und dabei geht es ausdrücklich nicht darum, dass die Kinder alles bekommen, was sie sich wünschen.

Das würde ihnen überhaupt nicht gut tun und sie würden auch nicht lernen, mit Frustration umzugehen.

"Wir müssen nicht auf alle Wünsche unserer Kinder eingehen, doch wir können uns für diese interessieren!", sagte Jesper Juul so treffend.

 

Es muss also emotional werden. Es braucht die Konflikte, damit das Kind lernt, wie man damit umgeht, wenn unterschiedliche Menschen gerade unterschiedliche Dinge wollen.

 

Das Gute am Erleben dieser Konflikte ist, dass Kindern, die immer wieder erleben dürfen, dass nach den Emotionen aufgrund der Frustration die Ruhe/Entspannung kommt, es zukünftig leichter fallen wird, Situationen, die nicht so laufen, wie sie es sich wünschen, zu meistern (und dann auch die Emotionen weniger werden).

Genau beschreibe ich das in meinen >5 Stufen im Konflikt.


Kennst Du schon mein Handbuch mit 3 Schritten einer verbindenden Kommunikation?

Handbuch für mehr Gelassenheit im Familienalltag

Es enthält konkrete Beispiele der Einfühlung.

Es zeigt, wie wir unser Kind spüren lassen,

dass wir es mit seinen Wünschen ernst nehmen.

UND es beschreibt, wie Du Dich mit Deinem Anliegen zeigst und durchsetzen kannst - ohne Dein Kind zu verletzen.

 

Das Handbuch ist gratis für Dich! 



Wichtige Fakten zur Qualität Deiner Beziehung zum Kind

  • Die Verantwortung liegt bei uns Erwachsenen:

    Wir Erwachsenen tragen die Verantwortung für die Qualität der Beziehung zum Kind.

  • Beziehung besteht immer zwischen 2 Menschen:

    Diese beiden Menschen sind Gestalter der beziehnung. Ein Dritter kann diese Beziehung, zum Beispiel zwischen Geschwistern, nur bedingt beeinflussen.

  • Die Verantwortung für die Beziehung gehört in die Hand der Erwachsenen:

    Bis zum Ende der Pubertät, wenn dein Kind ca. 20 Jahre alt ist!

  • Du kannst immer etwas ändern:

    Beziehungen zu gestalten ist ein dynamischer Prozess. Es ist nie zu spät, die Beziehung zu Deinem Kind zu verbessern; auch im Erwachsenenalter noch!

FAQ: häufig gestellte Fragen zur beziehungsorientierten Erziehung

Wie schlimm ist es, wenn ich die Beziehung zum Kind strapaziere?

Solange es nicht allzu häufig passiert, ist es gar nicht schlimm. Für das Kind ist es sogar recht angenehm zu sehen, dass wir Erwachsen auch nicht immer alles richtig machen und sie lernen an unserem Vorbild, wie man damit umgeht, wenn man etwas anders gemacht hat, als man es eigentlich will.

Was kann ich tun, wenn ich etwas getan habe, was die Beziehung zu meinem Kind belastet?

Gehe einfach offen damit um und sag Deinem Kind, dass Du ganz anders handeln wolltest und es Dir leid tut. Ich habe mit meinem Sohn auch gerne Situationen 'zurück gespult'.

Kann man Elemente des beziehungsorientierten Umgangs in eine eher klassische Erziehung einfließen lassen?

Tatsächlich ist es schwer, die Elemente zu mischen. denn die Haltung macht den Unterschied. Wenn ich Gehorsam möchte ist es viel zu schwer mich auf das Kind einzulassen. Schnell werden die Ideen der beziehungsorientierten Erziehung zur Methode. Dann sind wir nicht mehr authentisch und es 'funktioniert' nicht. Der beziehungsorientierte Umgang mit Kindern basiert auf Verantwortung und vor Allem Vertrauen in unsere Kinder, dass sie zum Besten ihrer selbst heranwachsen.


Hallo! Ich bin Imke - Deine Familienexpertin.

Mit mir erlebst Du, wie Erziehung auf Augenhöhe in Deiner Familie gelingt!

Ich begleite Dich in eine liebevolle Verbindung auf Augenhöhe zu Deinem Kind, in der Du die klare Führung behältst und Dein Kind in der Entwicklung kompetent begleitest.

Lass' uns kennenlernen und besprechen, wie ich Dich unterstützen kann. 

Imke Guzewski familylab-Seminarleiterin

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