Der Wert Integrität (Jesper Juul)

Ein Artikel darüber, wie wir unsere Persönlichkeit wahren, um für die Gemeinschaft da zu sein.

Was bedeutet Integrität?

Integrität bedeutet, sich als Individuum zu definieren. Seine Bedürfnisse zu spüren und diese in einer persönlichen Art äußern zu können.

 

Integrität in der Familie bedeutet, dass Eltern nicht Grenzen für die Kinder setzen, sondern ihre eigenen Grenzen aufzeigen. Und natürlich zeigen auch die Kinder ihre Grenzen auf.

 

Zeige ich meinen Grenzen in einer persönlicher Sprache auf, entsteht Kontakt.

Wir sind verbunden und jeder hat die Möglichkeit die Situation aus seiner Sicht darzulegen.

So haben wir gute Chancen, das am Ende keiner als Verlierer dasteht.

Ist das nicht egoistisch?

Seine Integrität zu wahren, indem ich meine Wünsche und Bedürfnisse äußere, hat nichts mit Egoismus zu tun. Meine Bedürfnisse zu äußern, bedeutet ja nicht, dass diese um jeden Preis erfüllt werden müssen.

 

Gemeinschaften sind umso stärker, je stärker sich jeder Einzelne als Individuum definiert. Jeder sorgt für sich, indem er seine Wünsche und Bedürfnisse offen äußert und diese auch von der Gemeinschaft gehört und gesehen werden. Zu spüren, dass man ernst genommen wird, ist eine Grundvoraussetzung dafür, dass man sich in dieser Gemeinschaft auch gerne beteiligt.

 

Jeder von uns hat neben dem Wunsch nach Autonomie ebenso stark den Wunsch nach Zugehörigkeit.

Wir schwingen zwischen Kooperation und Integrität - wir geben und nehmen.

Ist es ein ausgewogenes Schwingen, fühlen wir uns gut, sicher und von der Familie getragen. 


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Wie wahre ich meine Persönlichkeit in einem typischen Konflikt?

Erkennst Du den Unterschied?

1. Mir ist die Musik zu laut, bitte mach sie leiser.

2. Bitte mach die Musik leiser, sonst muss ich Dir den CD-Player weg nehmen.

 

Im 1. Beispiel hören wir in persönlicher Sprache so ein inniges Bedürfnis nach Ruhe. Das schafft viel Eindruck, denn der Mensch zeigt sich mit seinem Innersten, macht sich so auch verwundbar. Auf diese persönliche Bitte kann persönlich reagiert werden. So entsteht Kontakt, eine Verbindung! Das Kind kann beispielsweise sagen: „Aber Papa, das ist mein Lieblingslied. Danach mache ich leiser, ok?“ Jetzt zeigt sich das Kind mit seiner Leidenschaft für dieses Lied. Offenbart einen Wunsch, zeigt sich. Das ist wunderbar. Und ich bin sicher, dass es die Musik nach dem Lied leiser macht.

Das Kind hat Papa besser kennengelernt und der Papa sein Kind.

 

Im 2. Beispiel wird gedroht. Es entsteht kein Kontakt, sondern die Macht des Stärkeren wird ausgespielt. Der Erwachsene schwächt sogar seine Position, weil er dem Kind den Eindruck vermittelt, dass er seinen Wunsch nur "durchbekommt", wenn er diesen mit einer Drohung absichert.  

Was liegt der persönlichen Sprache zugrunde?

  • Kein Gefühl, kein Bedürfnis, kein Wunsch ist falsch.
  • Kein Mensch, der einen noch so ungewöhnlichen      Wunsch hat, ist falsch. 
  • Jeder Wunsch und jedes Bedürfnis ist es wert,                  gesehen und anerkannt zu werden.
  • Nicht jeder Wunsch kann (oder darf) erfüllt werden,  dennoch wird er gesehen und anerkannt.

Wie lauten Beispiele für eine persönliche Sprache?

  • Mir ist das zu laut.
  • Der Pullover kratzt, den kann ich nicht anziehen.
  • Ich möchte jetzt diesen Artikel lesen.
  • Ich bin noch nicht müde, ich möchte noch ein wenig spielen.
  • Mir ist kalt, ich will nach Hause.
  • Ich will noch einmal rutschen.
  • Ich habe Hunger.
  • Ich habe Lust auf ein Eis.
  • Ich will den Sand unter meinen Füßen spüren.

Fragst Du Dich auch manchmal, warum Dein Kind ausgerechnet JETZT nicht macht, was Du gerne hättest?

Um dieser Frage nachzugehen lohnt es sich ebenso einen Blick auf die Integrität zu werfen. Ich wahre meine Integrität und sorge gut für mich, wenn ich meine Bedürfnisse spüre und diese äußere.

 

Angenommen in einer Gemeinschaft fühle ich mich dann, wenn ich weder für meine aktuellen Bedürfnisse noch für Wünsche und Gelüste lächerlich gemacht werde.

Werde ich für meine Bedürfnisse und Wünsche "falsch gemacht", fühle ich mich fehl am Platz; nicht angenommen in der Familie.

 

Werde ich jedoch gesehen und ernst genommen, kann ich meine Integrität wahren und bin gerne bereit der Gemeinschaft auch etwas zu geben - zu kooperieren, also beispielsweise im Haushalt zu unterstützen oder etwas wegzuräumen, was ich vielleicht gar nicht alleine verursacht habe.

Das passiert dann mit Freude und Leichtigkeit. Das ist ein erfülltes Schenken. 

Wie verstehe ich dieses Zitat über Kinder, die nicht kooperieren können?

Wenn das Kind in den Augen der Erwachsenen nicht kooperieren will, liegt das daran, dass es bereits so lange zusammengearbeitet hat, dass es nun um den Rest seiner Integrität kämpft.

Das Kind hat über-kooperiert und kämpft um seine Integrität. Es ruft: "Seht mich, hier bin ich! Was ist schlecht an mir?" 

Kinder lieben es, zu kooperieren, uns Erwachsenen zu gefallen und uns zu imitieren. Sie üben ja "erwachsen sein" nur zu gerne. Nur manchmal gerät das Gleichgewicht zwischen Kooperation (ich gebe der Gemeinschaft) und Integrität aus dem Gleichgewicht.


Hast Du schon einmal darüber nachgedacht, gemeinsam mit Deiner Familie genau an diesen Themen in einem Workshop zu arbeiten?

Im September plane ich so einen Workshop für die ganze Familie. Die Kinder werden in verschiedenen Parts mit eingebunden und in den anderen Zeiten professionell betreut.

  • Ihr nehmt Eure Familienkultur gemeinsam unter die Lupe.
  • Ihr erarbeitet relevante Werte für Eure Familie - alle reden mit!
  • Ihr übt gemeinsam anhand eines Fahrplans, wie Ihr Konflikte löst, ohne dass einer als Verlierer dasteht.

Imke Guzewski

Ich bin Imke und ich liebe den Ansatz von Jesper Juul.

Ich helfe Eltern und Fachleuten auf ihrem Weg in eine gleichwürdige Haltung mit Kindern, ich vermittle Kommunikationstechniken, die Erwachsene und Kinder in Verbindung bringen und dafür sorgen, dass sich jeder in der Gemeinschaft angenommen fühlt, um mit mehr Leichtigkeit durch den Alltag zu gehen.



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